Sohle Null
von Jens Püttmann
Die Gefahr kommt diesmal nicht durch das Tor. Sie kommt aus einem Bauzeitenplan.
Ein Elektriker, eine Archäologin und ein Prüfer vom Bauamt haben unter einer Ruhrgebiets-Zeche einen Übergang in fremde Welten gefunden — und ihn für sich behalten. Jetzt schreibt die Abwicklungsgesellschaft die unteren Sohlen fort. Position 7: Verfüllung.
In wenigen Wochen läuft Beton in die siebte Sohle, und das Tor wäre für immer begraben. Kein Angriff, kein Gegner, keine Katastrophe. Ein Termin.
Wer das aufhalten will, muss zuerst verstehen, warum man diese Strecke 1958 zugemauert und eben nicht zugeschüttet hat. Die Antwort kennt ein neunundachtzigjähriger Mann in einem Pflegeheim am Rand der Stadt, der seit achtundsechzig Jahren schweigt und gute Gründe dafür hat. Gleichzeitig setzt das Bauamt eine Ortsbesichtigung an — und die führt genau dorthin, wo nichts sein darf.
Frank kommt mit Technik nicht weiter, Ruth nicht mit Grabungsglück, Torben nicht mit Loyalität. Was ihnen bleibt, ist das Einzige, was in diesem Land wirklich Bestand hat: ein sauber geführtes Verfahren.
Folge 3 von „Das Tor unter Tage“: kein neuer Planet, sondern Denkmalrecht, Aktenordnung und ein Versprechen aus dem Jahr 1958.
Wer das Tor retten will, muss es amtlich machen. Und alles, was amtlich wird, bekommt Zuschauer.