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Inselführer · aus der Welt der Tidenstube

Der Fährplan nach der Tide

Wenn du zum ersten Mal nach Haldrum kommst, schreib ich dir besser auf, wo was ist, sonst stehst du am Anleger und fragst. Die Insel ist neun Kilometer lang und gut zwei breit, und rund tausend Leute wohnen hier das ganze Jahr. Autos hat keiner, außer denen, die eins brauchen, wie der Arzt oder die Feuerwehr. Die Uhr stellt hier das Wasser.

Die Fähre

Hochwasser kommt zweimal am Tag, gut zwölf Stunden auseinander und jeden Tag knapp eine Stunde später, und nur in den zwei Stunden davor und danach ist die Rinne nach Haldrum tief genug für das Schiff. Darum hat die Fähre keine festen Zeiten: Fährt sie heute um halb acht, dann eine Woche später erst am frühen Nachmittag. Nachts fährt sie nicht und im Winter nur einmal am Tag; bei Sturm bleibt sie liegen, bis die Kapitänin sie freigibt. Die Überfahrt dauert fünfzig Minuten, und Smutje, der Hund aus der Tidenstube, fährt gern mit.

Der Anleger

Am Anleger steht auf einer Tafel die Abfahrt von heute, nur die von heute, und für morgen fragst du morgen. Unten am Kai wartet meistens ein Gepäckkarren. Wenn du Malin vom Fahrrad- und Gepäckverleih vorher Bescheid sagst, zieht sie ihn auch für dich. Im Sommer zieht sie ihn dreißigmal am Tag, im Februar vielleicht zweimal.

Die Tidenstube

Ein paar Schritte weiter liegt die Tidenstube, in der alten Wartehalle, und vor dem Ofen liegt Smutje und ist für niemanden zu sprechen. Hanne stellt dir einen Becher hin, bevor du bestellt hast. Wer die letzte Fähre verpasst hat, bekommt hier Suppe und zur Not ein Bett. Donnerstags wird Doppelkopf gespielt, bis das letzte Spiel durch ist, montags ist zu.

Der Inselmarkt

Der Inselmarkt ist der einzige Laden, mit Poststelle und Frachtannahme, und was nicht in die Reisetasche passt, meldest du bei Ole an, dann kommt es mit dem Schiff. Gerd gehört der Laden, Ole führt ihn. Wo die Dosenmilch steht, darüber sind Gerd und Ole sich nicht einig; frag nicht.

Der Hafen

Im Südosten liegt der Hafen, mit den Kuttern und der Hafenmeisterei, dazwischen ein paar Sportboote. Was das Wetter morgen macht, weiß Momme, der Hafenmeister; er guckt erst aufs Wasser und dann auf dich. Im Advent fahren die Kutter mit Lichtern hinaus.

Der Deich

Im Osten hält der Deich die Marsch trocken, mit den Warften dahinter, und oben stehen Schafe, die dir nicht aus dem Weg gehen. Am 21. Februar brennt dort das Biikefeuer, wie an der nordfriesischen Küste und auf den Inseln ringsum. Wer zum ersten Mal dabei ist, steht zu nah dran und riecht noch drei Tage nach Rauch.

Das Watt

Vor dem Deich liegt das Watt, bei Niedrigwasser grau und glänzend bis weit hinaus, mit Prielen darin, in denen das Licht hängen bleibt. Es sieht aus, als könnte man einfach loslaufen. Geh nicht allein, sondern mit einem Wattführer, der die Uhr im Kopf hat: Das Wasser kommt zurück, pünktlicher als jeder auf dieser Insel.

Kapitänswarf

Im Norden liegt Kapitänswarf, alte Kapitänshäuser unter Reetdächern, dazwischen ein paar Ferienhäuser, die im Winter dunkel bleiben. Die Zäune sind niedrig, und wer am Fenster sitzt, hebt die Hand, wenn du vorbeigehst.

Die Inselkirche

Die Backsteinkirche steht am Rand des Hafendorfs, um den Friedhof läuft eine Mauer aus Feldsteinen. Drinnen lohnt der Blick nach oben, zur Holzempore. Edda, die Pastorin, schließt dir auf, wenn du fragst.

Der Weststrand

Auf der anderen Seite ist der Strand breit, und hinter den Dünen ist der Wind auf einmal weg. Oben auf der Westdüne steht der Leuchtturm, von dort siehst du an klaren Tagen Meer und Watt zugleich. Von April bis Juli sind Teile des Strands abgesperrt, weil dort Vögel brüten, und die Schilder meinen das so.

Und wenn du die Fähre verpasst, geh in die Tidenstube und setz dich, die nächste kommt mit dem nächsten Wasser.

Haldrum und seine Fähre sind erfunden – ein Extra nur für diese Website, es steht in keinem Buch der Reihe.