Standgas
von Jens Püttmann
Auf der Schwelle des Tors liegt ein Kerbholz. Gelegt, nicht verloren — mitten in den Lichtschein.
Ein Elektriker, eine Archäologin und ein Prüfer vom Bauamt halten achthundert Meter unter einer stillgelegten Ruhrgebiets-Zeche einen Übergang in fremde Welten geheim. Sie führen darüber Protokoll. Sie haben Regeln. Und sie haben Schulden.
Seit Wochen klingt das Summen im Fels anders: nicht mehr nach Leerlauf, sondern nach einer Anlage, die für die nächste Schicht warmgefahren wird. Das Tor schaltet öfter und bleibt kürzer. Aus Tagen werden Stunden.
Drüben, in der Stadt auf der Hochebene, sind zwei junge Sammler durch ein Fenster gegangen, das nachts von allein aufging. Seit fünf Tagen sitzen sie auf einer Sohle, die niemand mehr anfährt. Handelsherrin Isvara hat ihre Schuldner rufen lassen, und sie ruft nicht um Hilfe. Sie legt eine Rechnung vor.
Was das Team dagegensetzen kann, ist kein Held und keine Waffe: eine Schrift an einer Steintafel, eine Prozedur, die achthundert Jahre alt ist, und die Frage, ob man ein Netz zwischen den Welten stilllegen darf, wenn eine ganze Stadt davon lebt.
Folge 4 der Reihe „Das Tor unter Tage“, bodenständige Mystery-Science-Fiction aus dem Revier. Kein Raumschiff, keine Auserwählten, kein Gegner: drei Leute mit Handwerk, Klemmbrett und einer Benzinlampe, die für eine fremde Stadt eine Anlage herunterfahren. Die Reihe wird der Reihe nach erzählt. Wer neu einsteigt, beginnt mit Folge 1, „Sohle Eins“.