Hildes Bergische Waffeln
Im Sommer hat mich eine Frau dreimal nach dem Rezept gefragt. Beim dritten Mal sagte sie, sie schreibe es sich sowieso schon auf. Einen Stift hatte sie nicht. Hier steht es also, für sie und für alle, die auch keinen dabeihaben.
Ich backe im Kräheneck auf drei alten Eisen, und das linke wird zu heiß. Das ist nicht schlimm, solange man es weiß. Zu Hause reicht ein Herzwaffeleisen, das ganz gewöhnliche. Am Teig ist nichts Besonderes, das soll auch so sein. Die Waffel muss warm auf den Tisch, das ist alles. Wer eine warme haben will, muss dasitzen, wenn sie vom Eisen kommt.
Zutaten
Für etwa 8 bis 10 Herzwaffeln, je nach Eisen:
- 125 g weiche Butter
- 75 g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 1 Prise Salz
- 3 Eier, Größe M
- 250 g Weizenmehl, Type 405
- ½ TL Backpulver
- 1 Messerspitze Zimt
- 200 ml Milch
- 2 EL Rum, wer mag, für Kinder 2 EL Milch
- Öl für das Eisen
Wer Kirschen dazu mag:
- 1 Glas Sauerkirschen (720 ml)
- 1 bis 2 EL Speisestärke
- Zucker nach Geschmack
Für die Sahne:
- 250 ml Schlagsahne
- 2 TL Zucker oder Vanillezucker
Wie ich es mache
- Butter, Eier und Milch rechtzeitig aus dem Kühlschrank holen. Die Butter muss weich und streichfähig sein, Eier und Milch sollen Zimmertemperatur haben.
- Erst das, was dazukommt. Für die Kirschen die Sauerkirschen abtropfen lassen und den Saft auffangen. Die Stärke mit 2 bis 3 EL kaltem Saft glattrühren. Den übrigen Saft aufkochen, die Stärke einrühren und unter Rühren eine Minute kochen lassen. Mit Zucker abschmecken, die Kirschen unterrühren und warm halten.
- Die Sahne mit dem Zucker steif schlagen und kalt stellen.
- Für den Teig Butter, Zucker, Vanillezucker und Salz ein paar Minuten hell und cremig schlagen. Die Eier einzeln dazugeben und jedes gut unterrühren, bevor das nächste kommt.
- Mehl, Backpulver und Zimt mischen und abwechselnd mit der Milch unterrühren, zum Schluss den Rum. Nach dem Mehl nur noch kurz rühren, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Ich habe meiner Enkelin früher oft gesagt, da sei noch Klumpen drin. Sie hat dann gesagt, da ist kein Klumpen drin, und meistens hatte sie recht. Wer die Waffeln lockerer mag, nimmt 1 TL Backpulver.
- Den Teig zehn Minuten stehen lassen. In der Zeit das Eisen vorheizen, so wie es in seiner Anleitung steht. Hat es einen Regler, wird auf mittlerer Stufe gebacken. Die Backflächen dünn mit Öl einstreichen.
- Für die erste Waffel etwas weniger Teig nehmen, als man denkt, damit nichts überläuft. Danach eine kleine Kelle in die Mitte, höchstens 100 ml, und zuklappen. Zwei bis drei Minuten sind ein Richtwert, die ersten brauchen oft länger. Vorher nicht aufmachen. Fertig ist sie, wenn kaum noch Dampf herauskommt und sie goldbraun ist. Für alle zusammen steht man eine gute halbe Stunde am Eisen.
- Fertige Waffeln gleich auf den Teller. Wer sammeln muss, legt sie einzeln nebeneinander auf ein Kuchengitter. Gestapelt werden sie pappig.
- Hinterher den Stecker ziehen und das Eisen abkühlen lassen. Dann die Reste mit Küchenpapier oder einem weichen Tuch abwischen. Ins Wasser kommt es nicht. Meine alten Eisen im Kräheneck kriegen danach einen Tropfen Öl. Ihres bekommt, was in seiner Anleitung steht.
Was dazugehört
Bei mir steht Milchreis mit Zimt und Zucker daneben. Was sonst noch in meinen Milchreis kommt, steht hier nicht. Wer mag, nimmt heiße Kirschen und Sahne zur Waffel, oder eins davon, oder nichts. Dazu Kaffee aus der Dröppelminna, und zwar reichlich. Die Tasse geht zur Kanne, nicht die Kanne zur Tasse.
Am Mittwoch
Einmal saß an der langen Tafel ein Herr, der wusste, wie es sich gehört. Die Waffel komme zuerst, sagte er, das sei immer so gewesen. Ich habe gesagt, die Waffel kommt, wenn sie fertig ist. Meine Mutter hat hingestellt, was fertig war, und meine Großmutter auch. Er nahm sich dann ein Schwarzbrot, weil das schon dastand, und als die Waffeln kamen, aß er zwei. Beim Gehen sagte er, meine Waffeln seien besser geworden.
Meine Waffeln sind seit vierzig Jahren gleich.
Das Rezept steht in keinem Buch der Reihe – es ist ein Extra nur für diese Website.